BLUTEGELTHERAPIE


Die Blutegeltherapie gehört zu den ältesten Heilmethoden in der überlieferten Medizingeschichte. Als Ausleitungs- aber auch als Reiztherapie eignet sie sich ganz besonders zur Behandlung von Entzündungen und damit verbundenen Schmerzen vor allem im Bereich des Bewegungsapparates und der Haut.

Somit kommt der Blutegel bei folgenden Erkrankungen zum Einsatz:

Erkrankungen des Bewegungsapparates

  • Gallen
  • Gelenkrheuma
  • Narben, Ödeme
  • Operationswunden
  • Bandscheibenvorfall
  • Nervenentzündungen, Ataxie
  • Hufrollenentzündung, Hufrehe
  • Muskelatrophie, Muskelverspannung
  • Sehnen- und Sehnenscheidenentzündung
  • venöse Stauungen und Venenentzündungen
  • Arthrose/Arthritis, Spat, Schale, Spondylose, HD, ED...

Erkrankungen der Haut

  • Mauke
  • Abszess
  • Entzündungen
  • Ekzeme, Leckekzem
  • Lymphatische Stauung
  • Hämatome (auch Blutohr (Othämatom))
  • Eitrige Wunden, infizierte Insektenstiche/Zeckenstiche

Weitere Einsatzmöglichkeiten

  • Thrombosen
  • Allgemeine Entgiftung


Ablauf und Wirkung einer Blutegelbehandlung

    Die Egel werden auf die vorgesehene Hautstelle angesetzt. Sie saugen sich fest und sägen sich mit ihrem Kalkkiefer ca. 2 mm tief in die Haut ein. Dieser Vorgang kann als etwas unangenehm empfunden werden, dauert jedoch nur kurz an. Anschließend beginnt der Egel mit dem Saugen. Vor und während des Saugaktes gibt der Blutegel über seinen Speichel Wirkstoffe, u.a. das Hirudin zur Verhinderung der Blutgerinnung, ab. Die Speicheldrüsen des Blutegels sind nachweislich keimfrei, somit besteht prinzipiell kein Infektionsrisiko bei der Anwendung von Egeln. Probleme können dann entstehen, wenn der Egel durch gewaltsames Entfernen Blut in die Bissstelle erbricht. Daher lässt man die Egel so lange saugen, bis sie von alleine abfallen. Die Länge des Saugaktes variiert stark und kann von 20 min bis zu 2 Stunden betragen. Die Bisswunde blutet anschließend ca. 8-24 Stunden nach. Das Nachbluten stellt eine natürliche Wundreinigung dar und sollte nicht unterdrückt werden. Es kann jedoch bei Bedarf ein lockerer Verband angelegt werden, um eine Verschmutzung der Wunde von außen oder eine Verschmutzung durch das Nachbluten zu verhindern. Vorteil einer Blutegelbehandlung ist, dass innere Organe wie Leber, Niere und Herz nicht belastet werden, so dass sie auch bei älteren Tieren sehr gut anwendbar ist. Insbesondere bei Pferden und Hunden wird die Blutegeltherapie häufig eingesetzt.


Weitere Informationen zur Blutegeltherapie

    Blutegel existieren seit 450 Mio. Jahren und werden schon seit ca. 3.000 Jahren als Heilmittel eingesetzt. Anfang des 19. Jahrhunderts erlangte die Blutegeltherapie in Europa eine echte medizinische Bedeutung. Zu dieser Zeit entstand ein regelrechter Boom. 1904 wurde der gerinnungshemmende Stoff im Speichel der Egel von John Berry Haykraft als Hirudin benannt. Allerdings wurden pro Behandlung oftmals mehr als 100 Blutegel angesetzt, so dass es neben einem maßlosen Verbrauch an Egeln auch zu ernsthaften Nebenwirkungen kam. Aufgrund des hohen Verbrauchs war man in Europa bald darauf angewiesen, Blutegel zu importieren. Während des 1. Weltkriegs kam es allerdings zum Zusammenbruch des Blutegelhandels, woraufhin diese Therapie in Vergessenheit geriet. Ein erstes Comeback erlebte der Blutegel ~1920 durch den franz. Chirurg Termier („Hirudinisation des Blutes“: Prophylaxe von Embolien und Thrombosen bei und nach OPs) und Heinz Bottenberg 1935 („Die Blutegeltherapie“).


    Nach dem 2. Weltkrieg nahm das Interesse durch die wachsende chemische Industrie wieder ab. Moderne Pharmaka wie Heparin und Marcumar verdrängten den Blutegel. 1987 erfuhr der Blutegel sein zweites Comeback, nachdem der Chirurg Prof. Joe Upton ein komplett abgerissenes Ohr, das nach der Replantation durch die Bildung von Thrombosen nicht wieder anwachsen wollte, mithilfe von Blutegeln retten konnte. Seitdem gewinnt die Blutegeltherapie immer mehr an Bedeutung bei der Behandlung verschiedenster Erkrankungen. Die Wissenschaft geht heute von 30 - 100 verschiedenen Substanzen im Speichel des Blutegels aus, wobei nur ein Bruchteil davon erforscht ist. Generell besitzen die Wirkstoffe eine gerinnungshemmende, heilende und entzündungshemmende Wirkung. Zu den bekannten Wirkstoffen zählen Hirudin, Calin, Bdellin, Apyrase, Yagin, deren Gemeinsamkeit jeweils eine Hemmung der Blutgerinnung an unterschiedlichen Stellen darstellt. Den Wirkstoffen Eglin, Bdellin, Hirustasin werden entzündungshemmende Eigenschaften nachgesagt. Den Substanzen Orgelase, Hyaluronidase eine gefäßerweiternde Wirkung. Für die Orgelase wird eine zusätzliche bakterizide Wirkung diskutiert. Dieser einzigartige Wirkstoff-Cocktail erklärt die oft überraschend schnelle schmerzlindernde, entzündungshemmende und abschwellende Wirkung der Blutegel.