PHYTOTHERAPIE


Unter Phytotherapie versteht man die Heilpflanzenkunde, eine der ältesten Therapieformen überhaupt.

 

Ihr Einsatzgebiet ist so umfangreich, dass eine Auflistung der einzelnen Anwendungsmöglichkeiten den Rahmen sprengen würde. Generell kann man vielleicht die Einsatzmöglichkeiten in einigen Oberbegriffen zusammenfassen.

Heilpflanzen können eingesetzt werden:

  • zur Entgiftung
  • bei Hauterkrankungen
  • bei psychischen Erkrankungen
  • bei Erkrankungen der Atmungsorgane
  • bei Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes
  • bei Erkrankungen des Bewegungsapparates
  • bei Stoffwechselerkrankungen und Allergien
  • bei Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems
  • bei Erkrankungen der Harn und Geschlechtsorgane
  • zur Steigerung der Immunabwehr und zur Rekonvaleszenz


Weitere Informationen zur Phytotherapie

    Die Phytotherapie gehört zu den ältesten Therapieformen überhaupt. Schon vor über 6.000 Jahren wurden historische Aufzeichnungen über Heilpflanzen am Persischen Golf auf Tontafeln gefunden. 3.000 v. Chr. entstand in China das 1. Kräuterbuch mit ca. 1.000 Heilpflanzen. Bis heute ist die Phytotherapie Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Im Laufe der Geschichte beschäftigten sich verschiedene Wissenschaftler, Ärzte und Heilkundige mit Heilpflanzen.


    Unter Ihnen findet man Namen wie Hippokrates (~ 430 v. Chr.), Dioskurides, der in seiner »Großen Arzneimittellehre« ca. 500 Heilpflanzen beschrieb und auch Hildegard von Bingen, die ca. 1130 n. Chr. in Europa deutsche Pflanzennamen einführte. Die Heilpflanzenkunde wurde in Klostergärten noch für lange Zeit erhalten. Im 19. und 20 . Jahrhundert konnten viele Pflanzeninhaltsstoffe isoliert und deren Wirkungsweise nachgewiesen werden. Damit war der Grundstein für die Entwicklung der Pharmaindustrie als Wirtschaftszweig gelegt.


    Die Wirkstoffe aus den Pflanzen wurden in isolierter und praktischer Form (Tabletten, Zäpfchen, Säfte…) angeboten. So gelang 1838 die Isolierung der Salicylsäure aus Weidenrinde zur Schmerzstillung und Fiebersenkung. 1860 wurde sie künstlich von der Fa. Bayer hergestellt und unter dem Handelsnamen AspirinÒ auf den Markt gebracht. In den folgenden Jahrzehnten wurden weitere Wirkstoffe aus den unterschiedlichsten Pflanzen identifiziert und isoliert. Durch diese Entwicklung wurde die Anwendung der ganzen Pflanze immer mehr zurückgedrängt. Dabei befinden sich in einer Pflanze verschiedene Inhaltsstoffe, die durch Wechselwirkung sich gegenseitig in ihrer Wirkung schwächen, verstärken, die Resorption beschleunigen, verbessern oder hemmen und auch Nebenwirkungen verringern können. In der Heilpflanze liegt also eine ausgewogene, für die Gesamtpflanzenwirkung typische Beziehung der Wirkstoffe vor. Oftmals ist die Verträglichkeit und Wirksamkeit der Heilpflanzenzubereitung größer als die des chemisch gewonnenen, isolierten und »standardisierten« Einzelstoffes. Ein Beispiel stellen die Arbutine aus den Bärentraubenblättern dar, die zur Desinfektion des Urins bei Harnwegsinfekten eingesetzt werden. Diese wirken nur als Geamtpflanzenauszug (also in Kombination mit den anderen Inhaltsstoffen der Pflanze) und nicht in isolierter Form.


    Diese Erkenntnisse führen in unserer Zeit immer mehr zur Verwendung der arzneimittelwirksamen Substanzen in ihrer natürlichen Form zurück, also der Heilpflanze selbst. Die Phytotherapie ermöglicht dazu noch die Kombination verschiedener Heilpflanzen in einer auf den Patienten und seiner Erkrankung individuell zugeschnittenen Kräutermischung. Besonders Pferde und andere Pflanzenfresser nehmen Heilpflanzen bereitwillig auf, da sie von Natur aus gerne Kräuter fressen. Aber auch Hunde und Katzen lassen sich phytotherapeutisch unter Einsatz von Trockenextrakten erfolgreich behandeln.